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Bezirksrat René Hunziker unterstützt Fledermäuse

Im Rahmen einer Artenförderungs-Aktion des Vernetzungsprojekts Küssnacht.

Bezirksrat René Hunziker hat einen Fledermaus-Kasten montiert.
Foto: suisseplan Ingenieure AG raum + landschaft

 

Bezirksrat René Hunziker besitzt in Immensee mehrere Dutzend Hochstamm-Obstbäume und unterstützt das seltene Braune Langohr – eine Fledermausart mit besonders grossen Ohren – im Rahmen der Artenförderungs-Aktion des Vernetzungsprojekts Küssnacht. Er übernimmt eine Patenschaft für einen Fledermauskasten und hängt in seinem Hochstamm-Obstgarten mehrere Kästen auf, damit sich die Braunen Langohren bei ihm ansiedeln können. Weitere Paten werden gesucht.

Reisen wir in der Zeit 100 Jahre zurück

Versetzen wir uns einmal in ein Braunes Langohr und reisen in der Zeit 100 Jahre zurück. Damals war das Braune Langohr noch recht häufig und weit verbreitet. Denn rund um die Dörfer Merlischachen, Immensee, Küssnacht und Haltikon gab es Tausende von Hochstamm-Obstbäume. Im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der rasanten Siedlungsentwicklung Ende des 20. Jahrhunderts verschwanden nicht nur zahlreiche Obstbäume, sondern auch viele Hecken, extensiv genutzte Wiesen, brachliegende Flächen und Kleinstrukturen, welche den Braunen Langohren als Jagdgebiete dienten. In den Obstgärten, Hecken und an den Waldrändern gab es genügend Baumhöhlen, die als Tagesschlafversteck oder zur Jungenaufzucht (so genannte Wochenstuben) dienten. Auch ungenutzte und nicht isolierte Dachstöcke von Wohnhäusern, Kirchen und Scheunen wurden oft unbemerkt von Braunen Langohren bewohnt.

Braune Langohren sind natürliche Schädlingsbekämpfer

Braune Langohren waren wie alle Fledermäuse als natürliche Schädlingsbekämpfer sehr beliebt – aber auch mit unheimlichen Mythen und Fantasien umwoben. Braune Langohren sind auch heute noch effektive Schädlingsbekämpfer. Denn sie fressen bevorzugt kleine und grosse Falter, darunter viele Arten, die im Obstbau als Schädlinge gelten, weil sich ihre Raupen von Äpfeln und Birnen ernähren, wie zum Beispiel der Apfelwickler oder andere mittelgrosse Nachtfalter. Daneben erbeuten sie auch andere Raupen, Ohrwürmer oder Weberknechte. Langohren sind in der Lage im Rüttelflug – ähnlich wie ein Turmfalke oder ein Kolibri – schlafende Tagfalter vom Laub von Bäumen und Sträuchern abzulesen. Mit ihrer Beute fliegen sie an traditionelle Frassplätze, wo sie vor dem Verzehr die unverdaulichen Flügel, Beine und Fühler vom leckeren Körper trennen und fallen lassen. Frassplätze lassen sich deshalb leicht anhand von Ansammlungen von Falterflügeln entdecken.

Fledermaus
Braunes Langohr jagt einen Nachfalter. �Foto: Dietmar Nill, Fledermausschutz.ch

Wo verstecken sich die Braunen Langohren?

Schwieriger zu finden sind die Tagesschlafverstecke und Wochenstuben der Braunen Langohren. Denn oft bewohnen sie ganz heimlich Dachstöcke, Baumhöhlen oder spezielle Fledermaus-Kästen. In der Regel verraten sie sich einzig durch kleine Kot-Krümmel unterhalb der Verstecke. Fledermaus-Kot lässt sich vom sehr ähnlichen Mäuse-Kot unterscheiden, indem man ein «Chegeli» zwischen den Fingern verreiben kann und nur noch «Staub» in der Hand hält.

Vom Aussterben bedroht – vom Vernetzungsprojekt Küssnacht gefördert

Leider gelten Braune Langohren heute in der Schweiz als vom Aussterben bedroht. Ihr Bestand und ihre Verbreitung hat in den letzten Jahrzehnten rasant abgenommen, weil der Lebensraum immer stärker fragmentiert und beeinträchtigt wird, die Insekten immer mehr verschwinden und es immer mehr an geeigneten Verstecken mangelt. Genau hier setzt das Vernetzungsprojekt Küssnacht an und pflanzt neue Hochstamm-Obstbäume, Einzelbäume, Hecken, sät neue Blumenwiesen und legt Kleinstrukturen an. Mit der aktuellen Aktion sollen nun Fledermaus-Kästen für das Braune Langohr montiert werden.

Paten gesucht

Die Mithilfe der Bevölkerung ist erwünscht und notwendig. Dazu werden Paten für die Fledermaus-Kästen gesucht. Durch die Übernahme einer oder mehrerer Patenschaften und einem einmaligen Beitrag von 50 Fr. pro Kasten wird ein für das Braune Langohr geeigneter Fledermaus-Kasten in einem Obstgarten im Bezirk Küssnacht aufgehängt. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen alle Fledermaus-Kästen kontrolliert und die Resultate den Paten mitgeteilt sowie eine Fledermaus-Exkursion mit einem Fledermaus-Experten angeboten werden. Aktuell wurden bereits Paten für 34 Kästen gefunden. Bis zum 31. Januar 2021 kommen hoffentlich noch weitere dazu. Der Anmeldetalon ist auf dieser Website unter landwirtschaftliches Vernetzungsprojekt zu finden.

Steckbrief Braunes Langohr

Die kleine Fledermaus hat eine Körperlange von nur ca. 5 cm, eine Flügelspannweite von 25 bis 30 cm und wird 5 bis 12 g schwer. Die grossen Ohren sind knapp 5 cm lang und werden zum Schlafen nach hinten gebogen und zwischen Unterarme und Körper geklemmt; nur noch die grossen Ohrdeckel stehen ab. Jedes Weibchen bringt pro Jahr meist nur ein Junges zur Welt. Mehrere Weibchen schliessen sich zur Jungenaufzucht in so genannten Wochenstuben zusammen. Das älteste, in der Schweiz gefundene Braune Langohr wurde 31 Jahre alt.

Vernetzungsprojekt Küssnacht 2019 – 2026

Das Vernetzungsprojekt Küssnacht 2019 – 2026 setzt sich für mehr Biodiversität in der Kulturlandschaft ein. Im Projekt werden unter anderem das Braune Langohr, die Gelbbauchunke und der Feldhase als Ziel- oder Leitarten definiert und somit besonders gefördert. Die Landwirte bewirtschaften Biodiversitätsförderflächen und berücksichtigen die Bedürfnisse der Ziel- und Leitarten. Dazu pflegen sie unter anderem die charakteristischen Hochstamm-Obstgärten, pflegen Laichgewässer für Amphibien und werten bestehende Hecken auf.