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Demenz im Alltag: «Die Verantwortung liegt heute fast vollständig bei mir»

Demenz betrifft nicht nur die erkrankte Person, sondern auch ihr Umfeld. Angehörige übernehmen oft zahlreiche Aufgaben und tragen eine grosse Verantwortung. Ein betroffener Partner aus der Region berichtet über seinen Alltag, die Herausforderungen und darüber, was ihm hilft, die Situation zu bewältigen.

In der Schweiz leben rund 160 000 Menschen mit Demenz. (Symbolbild, Quelle: Unsplash)

Was hat sich im gemeinsamen Alltag durch die Erkrankung Ihrer Frau am meisten verändert?
Angehöriger: Vor allem die Frage der Zuständigkeit und Verantwortung. Heute muss ich praktisch alles organisieren und veranlassen. Das betrifft die Menüplanung, Einkäufe, das Kochen, die Wäsche, die Wohnungsreinigung oder gemeinsame Aktivitäten wie Spaziergänge und Ausflüge.

Welche Situationen empfinden Sie als besonders herausfordernd?
Angehöriger: Herausfordernd ist, dass vieles rasch wieder vergessen geht. Wenn ich zu einer Aufgabe anrege, bleibt diese oft nach wenigen Minuten liegen. Aussagen können sich innerhalb kurzer Zeit widersprechen. Auch verlegte Gegenstände oder Diskussionen über Ereignisse, die anders wahrgenommen werden, gehören zum Alltag. Ich muss alle Fehlhandlungen und Falschaussagen hinunterschlucken.

Was hilft Ihnen dabei, den Alltag zu bewältigen?
Angehöriger: Wichtig ist, zwischendurch Abstand zu gewinnen und Zeit für sich zu haben. Bewegung mit dem Velo oder zu Fuss hilft mir ebenso wie Lesen, Kochen oder andere alltägliche Tätigkeiten.

Welche Unterstützung empfinden Sie als hilfreich?
Angehöriger: Meine betreute Person ist in vielen Dingen noch recht selbständig, ich kann sie noch mehrere Stunden alleine zu Hause lassen. Von meinem Nachbar aber weiss ich, dass später eine temporäre Entlastung wichtig ist, um eben Zeit für sich zu haben. Ich besuche regelmässig die Angehörigen-Gesprächsgruppe in Küssnacht. Dort treffe ich Menschen in ähnlichen Situationen und kann Erfahrungen austauschen. Zudem nehme ich an einer Schulung für Angehörige teil.

Was überrascht Sie in dieser Lebensphase positiv?
Angehöriger: Die Dankbarkeit der betreuten Person. Sie bedankt sich fürs Kochen, lobt das Essen und sagt, dass ich gut zu ihr schaue, denn alleine käme sie nicht mehr zurecht.

Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft?
Angehöriger: Mehr Informationen, Angebote und Aktivitäten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Solche Angebote helfen, Isolation zu verhindern und den Alltag zu erleichtern.

Was möchten Sie anderen Angehörigen mitgeben?
Angehöriger: Die Demenz als Krankheit anzunehmen, offen darüber zu sprechen und Unterstützung anzunehmen. Niemand muss diese Aufgabe allein bewältigen. Der Austausch mit anderen Betroffenen und gezielte Entlastung können sehr wertvoll sein.

Demenz frühzeitig erkennen

Vergesslichkeit allein bedeutet nicht zwingend Demenz. Mögliche Anzeichen sind Gedächtnisstörungen, Orientierungsschwierigkeiten, Sprachprobleme, ungewohntes Verhalten oder der Verlust gewohnter Routinen. Wer Veränderungen bei einer nahestehenden Person beobachtet, sollte das Gespräch suchen und eine ärztliche Abklärung anregen. Eine frühe Diagnose kann helfen, die Zukunft besser zu planen.

Unterstützung und Beratung

Angehörige von Menschen mit Demenz müssen die Herausforderungen nicht allein bewältigen. Unterstützung bieten die Angehörigengruppe Region Rigi, die Alzheimer Organisationen Luzern sowie Uri/Schwyz und die Anlaufstelle Demenz/Alzheimer Kanton Schwyz. Sie informieren, beraten und begleiten Betroffene und Angehörige und vermitteln Angebote zur Entlastung im Alltag. Weitere Informationen, Kontaktdaten und Unterstützungsangebote sind unter www.alzheimer-schweiz.ch sowie bei der Anlaufstelle Demenz/Alzheimer Kanton Schwyz (www.srk-schwyz.ch) erhältlich.

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