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Zentrum für Sport, Kultur und Freizeit: Studie für ganzheitliches Zentrum abgebrochen

Der Bezirk wollte ein ganzheitliches Zentrum für Sport, Kultur und Freizeit in Küssnacht planen. Nun stoppt er das Vorhaben. Gründe dafür sind insbesondere finanzieller, rechtlicher und planerischer Natur. Bezirksrat Roman Schlömmer und Säckelmeister Peter Küng beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem Entscheid.

Bezirksrat Roman Schlömmer und Säckelmeister Peter Küng über den Studienstopp für das ganzheitliche Zentrum.

Woher stammt die Idee, ein Zentrum für Sport, Kultur und Freizeit zu errichten?

Roman Schlömmer: Der Bezirk Küssnacht wollte ursprünglich das Gebiet Ebnet/Luterbach zu einem gesamtheitlichen Zentrum für Sport, Kultur und Freizeit weiterentwickeln. Dieses Vorhaben stützt sich auf die grosse Nachfrage nach Unterstützung von Vereinen und Genossenschaften sowie den bestehenden Platzmangel an den Bezirksschulen.
Peter Küng: Ebenfalls waren die jährlichen Bezirksbeiträge an die baurechtsnehmenden Genossenschaften, welche sich in sehr angespannter finanzieller Lage befinden, ein weiterer Grund für eine ganzheitliche Studie.

Welche Erwartungen waren ursprünglich mit dem gesamtheitlichen Zentrum verbunden?

Roman Schlömmer: Die gesamtheitliche Studie bringt zumindest theoretisch einige Vorteile mit sich: In einem grossen Zentrum könnte man zum Beispiel Synergien nutzen sowie gemeinschaftliche Erschliessungs- und Parkierungslösungen schaffen. Aus diesem Grund wollte der Bezirksrat diese Idee prüfen. Zunächst wurde deshalb zusammenhängend gedacht und eine Totalsanierung oder ein Ersatzneubau der Rigihalle in Betracht gezogen.

Wie ist der Bezirk seither bei der seinen Überlegungen vorgegangen?

Roman Schlömmer: Der Bezirk hat eine Projektkommission eingesetzt, welche die langfristigen Entwicklungsperspektiven aufzeigen und eine Weiterentwicklung der Areale prüfen soll. Die betroffenen Baurechtsnehmenden sind die Küssnachter Eisbahngenossenschaft (KEG), die Genossenschaft Curlinghalle und der Schwingclub. Diese wurden zu einem frühen Zeitpunkt einbezogen und über die Projektideen informiert. Zudem wurden deren Bedürfnisse abgeholt. Zwischenzeitlich fand ein Unterbruch im Prozess statt, unter anderem wegen der Pluralinitiative «Hallenbad». Anschliessend hat das Ressort Planung Umwelt und Verkehr (PUV) einen Grundlagenbericht erarbeitet, der sich auf die bereits getätigten Abklärungen sowie die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen abstützt. Weiter zeigt der Bericht die nächsten Schritte mit konkreten Handlungsanweisungen auf. Dieser Bericht galt als Basis für eine weitere Sitzung mit den Baurechtsnehmenden, in der vor allem die verschiedenen Herausforderungen besprochen wurden.

Welche Herausforderungen führten letztlich zur Entscheidung, die Studien nicht weiterzuverfolgen?

Roman Schlömmer: Verschiedene Faktoren führten zu diesem Entscheid. Die Herausforderungen sind insbesondere planerischer, rechtlicher und finanzieller Natur. Zudem ist die zentral gelegene Baurechtsparzelle durch die Baurechtsnehmenden bis ins Jahr 2045 blockiert. Durch die fehlenden Zugeständnisse kann der Bezirk die Parzelle nicht im erforderlichen Masse einbinden.
Peter Küng: Der Bezirk ist hierbei auf die Baurechtsnehmenden angewiesen. Ohne die Klärung ihrer finanzieller Schieflage und Auflösung der Baurechtsverträge ist die Weiterführung der Studien nicht sinnvoll.

Welche finanziellen Aspekte verhindern die Weiterentwicklung des gesamtheitlichen Zentrums?

Peter Küng: Es ist naheliegend, dass ein solches Projekt nicht nur für die bisherigen Baurechtsnehmenden, sondern auch für den Bezirk mit äusserst hohen Kosten verbunden wäre. Nicht zuletzt müsste auch die Stimmbevölkerung das Zentrum mit Steuergeldern tragen wollen. Die Finanzierung ist somit von zentraler Bedeutung. Auch wenn wir die Investitionen für ein solches Mammutprojekt über mehrere Jahre verteilen, könnte sich der Bezirk das gesamtheitliche Zentrum mit dem jetzigen Steuerfuss sicher nicht leisten. Auch eine Steuererhöhung würde nicht genügen. Hinzu kommen sehr hohe Investitionskosten in anderen Bereichen, wie zum Beispiel die Schulraumplanung, die neue Zentrumsgestaltung, das Pflegezentrum Seematt sowie weitere Projekte wie die Umgestaltung des Seeplatzes, der Neubau Parkhaus Dorfhalde und die Sanierung Chüelochtobel, welche die Bezirksfinanzen in den nächsten Jahren erheblich belasten werden.

Was bedeutet der Abbruch der Studie für die Beteiligten?

Roman Schlömmer: Aufgrund der unklaren Situation und mangelnder Kooperation der KEG sind die Genossenschaften selbst in der Pflicht, ihren Aufgaben nachzukommen. Eine finanzielle oder planerische Unterstützung für ein zukünftiges Projekt durch den Bezirk ist hingegen nicht ausgeschlossen.
Peter Küng: Ein Engagement des Bezirks für die finanziellen Altlasten der Genossenschaften (Übernahme Hypothekarschulden, Genossenschaftskapital, Rückbau Investitionen und so weiter) ist unverantwortlich.

Welche Fragen rund um das Projekt sind aus heutiger Sicht noch unbeantwortet?

Roman Schlömmer: Der Bezirk stellt sich nun die Frage, ob der Planungsperimeter unter Berücksichtigung der Schulraumplanung und der allfälligen Standortsicherung weiterer zukünftiger Bedürfnisse (wie zum Beispiel dem Hallenbad) vertiefter analysiert werden muss.
Peter Küng: Zudem müssen sich die Genossenschaften Gedanken darüber machen, wie sich ihre künftige Rolle in dem Projekt als verschuldete Baurechtsnehmende vorstellen.

Welche Alternativen zum ganzheitlichen Zentrum für Sport, Kultur und Freizeit gibt es aktuell?

Roman Schlömmer: Wir prüfen aktuell, ob wir das ganzheitliche Zentrum in mehrere Teilbereiche aufteilen können. Dies würde grosse planerische und finanzielle Vorteile mit sich bringen. Konkret wird unter anderem geprüft, ob ein Zentrum für Kultur und Freizeit losgelöst vom Sportbereich realistisch ist. Dafür zieht der Bezirk Umnutzungen bestehender Infrastrukturen in Betracht. Weiter prüft der Bezirk die Möglichkeit zusätzliche Grundstücke für öffentliche Bedürfnisse zu sichern.
Peter Küng: Die Aufteilung in verschiedene Zentren anstelle des gesamtheitlichen Projektes schafft finanziell und steuertechnisch gesehen einen weitaus grösseren Spielraum. Auf diese Weise könnte der Bezirk die einzelnen Zentren einfacher etappenweise finanzieren. Auch die mögliche Umnutzung bestehender Infrastrukturen für ein allfälliges Kultur- und Freizeitzentrum würde die Bezirksfinanzen bedeutend entlasten.

Was sind die nächsten Schritte diesbezüglich?

Roman Schlömmer: Der Bezirksrat bleibt weiterhin auf verschiedenen Ebenen an der Schaffung für mehr Sport- Kultur- und Freizeitmöglichkeiten dran: Wir untersuchen Sicherungen verschiedener Areale, führen Gespräche für potenzielle Einzonungen und prüfen mögliche Umzonungen. Parallel dazu setzt der Bezirk aktuell über die Infrastruktur und Planung hinaus verschiedene Massnahmen um, um die Vereine zu fördern. Bei allen Vorhaben werden wir die Bevölkerung fortlaufend über den Zwischenstand und die Fortschritte informieren.