Stiftung Phönix Schwyz: Interview mit Stephan Gisler, Leiter des Wohnheims «Bättigmatte» in Seewen .
Stephan Gisler: Als sozialpsychiatrische Institution mit einem agogischen Auftrag sind wir für Menschen da, die mit einer psychischen Erkrankung an der Schnittstelle zwischen selbstständigem Wohnen und stationärer Therapie stehen. Wir legen grossen Wert darauf, die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Personen zu berücksichtigen und sie in der Entwicklung lebenspraktischer Fähigkeiten sowie in der Gestaltung einer sinnstiftenden Tagesstruktur zu unterstützen und zu fördern. Inklusion bedeutet für uns, die Mitbestimmung der uns anvertrauten Menschen zu fördern, indem wir individuelle Entscheidungen in Bezug auf Wohnen und Lebensgestaltung respektieren und in unsere ambulanten und stationären Angebote integrieren. Damit dies gelingt, arbeiten wir eng mit den Netzwerken der einzelnen Personen zusammen und achten dabei auf Autonomie und Selbstbestimmung.
Eine Anmeldung für unser sozialpsychiatrisches Angebot ist in verschiedenen Situationen sinnvoll, insbesondere wenn Menschen mit psychischen Erkrankungen oder psychosozialen Problemen Unterstützung in ihrem Alltag benötigen. Dies betrifft Personen, die aufgrund zunehmender psychischer Probleme ihren Lebensalltag nicht mehr allein bewältigen können und sich zunehmend von der Gesellschaft zurückziehen, wodurch die Gefahr einer sozialen Isolation und einer akuten psychischen Erkrankung besteht. Eine Anmeldung steht auch Menschen offen, die nach einer akuten Krise im stationären psychiatrischen Setting entlassen werden und bei uns einen geschützten Platz finden, um ihre gesundheitliche und soziale Situation aufzubauen und zu stabilisieren.
Eine klare und regelmässige Tagesstruktur gibt dem Alltag eine verlässliche Ordnung. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die häufig unter chaotischen oder unregelmässigen Tagesabläufen leiden, kann dies beruhigend und stabilisierend wirken. Feste Zeiten für Aktivitäten wie Aufstehen, Essen oder Schlafen helfen, ein Gefühl von Normalität und Kontrolle zu erlangen. Viele psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie, verschlimmern sich durch Passivität und Isolation. Tagesstrukturierende Angebote fördern aktive Teilhabe, was nachweislich zur Linderung der Symptome beitragen kann. Die sozialen Kontakte, die in den Gruppenangeboten entstehen, verhindern den Rückzug in die Isolation, stärken die sozialen Kompetenzen und verringern das Gefühl von Einsamkeit. Zudem wird das Gefühl von Selbstwirksamkeit gefördert.
Personen mit psychischen Beeinträchtigungen stehen in ihrem Alltag häufig vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Neben der eingeschränkten Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu bewältigen, ziehen sich von psychosozialen Problemen betroffene Menschen aufgrund fehlender Unterstützung und stigmatisierender Haltungen in der Gesellschaft zurück. Diese soziale Isolation fördert wiederum zusätzliche Probleme am Arbeitsplatz, in Beziehungen, Freundschaften und bei der Gestaltung der Freizeit. Mangelnde Informationen über die eigene Erkrankung, das Fehlen möglicher Therapieangebote sowie die Sicherstellung deren Finanzierung verhindern eine zeitnahe Behandlung und führen zu chronischen Krankheitsverläufen.
Die zu betreuenden Personen werden als Individuen mit eigenen Bedürfnissen, Zielen und Fähigkeiten betrachtet. Die Betreuung wird entsprechend angepasst, sodass die Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, ohne dabei in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt zu werden. Ziel ist es, persönliche Stärken zu fördern, Herausforderungen anzunehmen und diese nicht als Defizite zu betrachten. Die Betroffenen haben Mitspracherecht bei der Gestaltung des Tagesablaufs sowie der individuellen Förder- und Betreuungsplanung. Diese Einbindung stärkt das Gefühl von Selbstverantwortung und Eigenständigkeit.
Es sollten mehr Angebote zur psychischen Gesundheit zugänglich gemacht werden wie beispielsweise kostenlose Beratungsstellen, leicht erreichbare Therapiemöglichkeiten und mobile Hilfsdienste. Der Zugang zu diesen Diensten sollte vereinfacht werden, insbesondere in ländlichen Gebieten. Eine frühzeitige Unterstützung bei auftretenden psychischen Problemen kann verhindern, dass sich diese verschlimmern. Durch präventive Massnahmen kann die Integration erleichtert werden, bevor chronische Erkrankungen oder schwere Rückfälle auftreten. Rehabilitationsprogramme, Job-Coaching und gezielte Arbeitsvermittlung können Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen helfen, wieder in den Arbeitsmarkt einzutreten. Durch Unterstützung in der beruflichen Integration können sie langfristig einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten.
Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sich Menschen mit einer psychischen Erkrankung trotz erschwerten Bedingungen, wie Stigmatisierung und fehlender Akzeptanz in der Gesellschaft, ein eigenes Leben mit sinnstiftendem Inhalt aufzubauen und zu leben vermögen. Dazu braucht es ein Heraustreten aus genormten gesellschaftlichen Mustern, eine Akzeptanz der Vielfalt von Möglichkeiten, wie ein Leben gestaltet werden kann. Damit dies gelingt, braucht es die Bereitschaft von uns allen, den Menschen die Hilfe suchen, zuzuhören, ihre Lebensgeschichte zu akzeptieren und den Mut zu haben, individuelle Lösungswege zu begleiten und zu unterstützen.
Die Erfahrung in der Arbeit mit Menschen, die eine psychische Krise erleben, hat mich gelehrt, dass es oft mehr gibt, als das, was auf den ersten Blick sichtbar ist. Ein Fokus auf Ressourcen zu setzen und nicht primär auf die Defizite, hilft Vorurteile abzubauen, offen zu bleiben und die betroffenen Menschen in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen. Die alltägliche Auseinandersetzung mit den zu betreuenden Personen hilft mir zu akzeptieren, dass psychische Krisen jeden betreffen können, gleichzeitig gibt es Hoffnung, dass der Weg zurück in die Genesung möglich ist.
Die Stiftung Phönix Schwyz ist eine vom Kanton Schwyz und vom Bund anerkannte gemeinnützige Institution. Die Stiftung orientiert sich am Behindertenleitbild des Kantons Schwyz.
«mit uns – daheim»
Der psychisch beeinträchtigte Mensch soll seinen Platz in der Gesellschaft einnehmen und sich seinen Fähigkeiten entsprechend entfalten können.
Die Stiftung Phönix Schwyz errichtet und führt Heime für psychisch beeinträchtigte Menschen. Sie betreibt strukturierte Freizeitangebote sowie begleitetes Wohnen für Einzelpersonen. Sie kann allein oder mit anderen Institutionen weitere Aufgaben im Bereich der Sozialpsychiatrie übernehmen.
Die Stiftung Phönix Schwyz bietet psychisch beeinträchtigten Menschen in ihren Heimen in Einsiedeln, Seewen und Buttikon in einem familiären Rahmen vorübergehend oder dauerhaft ein Zuhause. Sie legt Wert auf das Zusammenleben in der Gemeinschaft und fördert dieses durch vielfältige Aktivitäten. Dabei respektiert sie die persönlichen Eigenarten, Biographien und Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Bewohnenden. Im begleiteten Wohnen unterstützt sie Einzelpersonen in umfassenden Sozialbegleitungen und individuellen Assistenzdiensten.
Die Betreuung, Unterbringung und Beschäftigung von psychisch beeinträchtigten Menschen sind die eigentlichen Kernaufgaben. Mit Achtung und Respekt gegenüber den Bewohnenden werden die Aufgaben lösungs- und ressourcenorientiert wahrgenommen. Angestrebt werden eine grösstmögliche soziale und berufliche Integration und Rehabilitation.