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WildWuchs: Winterruhe für unsere wilden Nachbarn

Wildtiere haben sich im Laufe der Evolution in unseren Breitengraden an die jahreszeitlichen Temperatur- und Witterungswechsel perfekt angepasst.

Das spärliche Nahrungsangebot stellt den Rothirsch vor eine grosse Herausforderung (Quelle: Timo Schaub).

 

Um die Kälte und das begrenzte Nahrungsangebot zu überstehen, haben Wildtiere die unterschiedlichsten Strategien entwickelt.

WildWuchs

Der Marienkäfer produziert Frostschutzmittel

Einige Insekten haben einen besonders raffinierten Trick, um den tiefen Temperaturen zu widerstehen. Sie haben eine Art körpereigenes Frostschutzmittel. Marienkäfer produzieren zum Beispiel Glycerin (einen Zuckeralkohol), um den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeit zu senken. Auch der zierliche Zitronenfalter kann durch sein körpereigenes Glycerin problemlos Temperaturen von minus 20° C standhalten. Die höheren Temperaturen im Frühling sind ihr natürlicher Wecker.

Die Erdkröte erstarrt

Amphibien sind wechselwarm. Sie senken ihre Körpertemperatur beinahe auf das Niveau der Aussentemperatur ab, reduzieren ihren Herzschlag und auch ihre Atmung auf ein Minimum. Zuvor sucht sich zum Beispiel die Erdkröte im Spätherbst ein frostfreies Winterquartier wie beispielsweise Komposthaufen, Laubhaufen, Baumwurzeln oder feuchte Erdlöcher. Dort verfällt sie komplett bewegungslos und ohne Nahrungsaufnahme in die sogenannte Winterstarre. Im Frühjahr, wenn die Tage wieder wärmer werden, hebt sie die Temperatur im Körper wieder an, es kommt Bewegung in die Erdkröte und sie macht sich auf den Weg zum Laichgewässer.

Igel
Der Igel verschläft den Winter (Quelle: monicore via pixabay).

Der Igel schläft

Einige Säugetiere verschlafen den Winter einfach. Dafür fressen sie sich einen Winterspeck an, suchen sich einen geschützten Platz und fahren ihren Energiebedarf um bis zu 99 % herunter. Der Igel holt im Winterschlaf pro Minute gerade mal ein bis zwei Mal Luft – normalerweise nimmt er bis zu 50 Atemzüge pro Minute. Auch die Körpertemperatur senkt das stachelige Tier von 36° C auf 1 bis 8° C und sein Herz schlägt nicht mehr 200, sondern nur noch fünf Mal pro Minute. Manchmal wechselt er seine Schlafposition oder gar den Schlafplatz und erledigt sein Geschäft. Allerdings benötigt das alles viel Energie, weshalb häufige Störungen tödlich sein können für den kleinen Insektenfresser. Neben den Igeln sind auch Siebenschläfer, Fledermäuse und Murmeltiere Winterschläfer.

Das Eichhörnchen ruht

Eichhörnchen wechseln wie die meisten Säugetiere im Herbst und Frühling ihr Fell. Das Winterfell ist viel dichter und dunkler gefärbt als das Sommerfell und schützt gegen die Kälte. Auch die Haarpinsel an den Ohren sind im Winter länger. Eichhörnchen machen wie auch der Braunbär und der Dachs keinen Winterschlaf, sondern halten Winterruhe. Im Herbst sammeln sie daher Vorräte und verstecken sie im Boden oder auf Bäumen. Den Winter verbringen sie anschliessend ruhend in ihrem «Kobel» genanntes Nest. Während etwa zwei Stunden am Tag schleichen sie sich nach draussen, um von ihren Vorräten zu zehren.

Das Rotwild wandert

Anders macht es das Rotwild. Die scheuen Wiederkäuer ziehen im Herbst in Schnee ärmere, tiefere Lagen – in den sogenannten Wintereinstand. Dieser befindet sich oft an Südhängen, wo der Schnee schneller schmilzt und die Nahrungsaufnahme einfacher ist. Zersiedelung, Autobahnen und Gleisstrecken stellen bei diesen jahreszeitlichen Wanderungen eine zusätzliche Herausforderung dar. Dadurch ist das Rotwild zum Teil gezwungen in ungünstigeren Lebensräumen zu überwintern. Zusätzlich zur Wanderung fährt es ebenfalls seinen Stoffwechsel herunter. Der Puls ist bis zu 60 % tiefer als im Sommer und der Pansen verkleinert sich um 20 bis 25 %, um Energie zu sparen. Müssen die Tiere in diesem Zustand flüchten, kostet sie das wertvolle Energie, welche sie durch das spärliche Nahrungsangebot kaum wieder aufnehmen können.

Ruhe und Rücksicht für Wildtiere

Diese vielfältigen und genialen Überlebensstrategie funktionieren nur, wenn die Tiere den Winter ungestört und ohne Stress verbringen können. Daher sind sie auf Ruhe und Rücksichtnahme durch den Menschen angewiesen. Sei es beim Sonntagsspaziergang im Wald, indem wir auf den Wegen bleiben und unsere treuen Vierbeiner an der Leine führen. Oder beim Skifahren auf den markierten Pisten fahren und bei Ski-/Schneeschuhtouren Wildruhezonen nicht durchqueren. Auch zuhause im eigenen Garten sollten im Winter keine grossen Veränderungen vorgenommen werden. Ast-, Laub- und Komposthaufen sollte man erst im Frühjahr wieder bewegen, denn genau an diesen Orten haben sich kleine Tiere einen Platz für den Winter gesucht. Eine Störung in dieser Zeit wäre fatal.

Verhaltenstipps

Im Wald und Flur

  • Wildruhezonen und andere Schutzgebiete beachten.
  • Im Wald auf Wegen und bezeichneten Routen bleiben.
  • Waldränder und schneefreie Flächen meiden.
  • Hunde an der Leine führen, insbesondere im Wald.
  • Die Dämmerung und die Nacht gehören den Wildtieren.

Im Garten

  • Komposthaufen: Kompost anlegen, ab September nicht mehr umsetzen, im Winter abdecken mit Kompostvlies.
  • Laub liegen lassen: Herbstlaub zu Haufen aufschichten und mit Nadelreisig bedecken.
  • Totholzhecke: Mit Schnittgut von Bäumen und Sträuchern eine Totholzhecke anlegen.