Spannende Veranstaltungen unter dem Motto WildWuchs im Bezirk Küssnacht.
An den vergangenen zwei Wochenenden fanden die Programmpunkte 8 und 9 der WildWuchs-Reihe statt. Dank der Unterstützung von verschiedenen Vereinen, Organisationen, Fach- und Privatpersonen wurden die beiden Anlässe zu spannenden Erlebnissen für Jung und Alt.

Am Freitagabend, 26. August 2022 fand sich trotz stürmischen und nassen Wetterverhältnissen eine Gruppe von ca. 30 Interessierten auf dem Gutsbetrieb Sunnehof in Immensee ein, um mehr über die Fledermäuse im Bezirk Küssnacht zu erfahren.
Nach einer Begrüssung durch Bezirksrat René Hunziker folgten spannenden Informationen über das Vernetzungsprojekt Küssnacht, welche Martin Hess als engagiertes Mitglied den Teilnehmerinnen und Teilnehmern näherbrachte. So konnte er den Zuhörerinnen und Zuhörern u.a. erläutern, weshalb sich die Landwirte des Vernetzungsprojektes dazu entschieden haben, in ihren Obstgärten Fledermauskästen aufhängen zu lassen. Diese wertvolle Massnahme zur Förderung der Fledermäuse im Bezirk Küssnacht wurde durch die Unterstützung von 25 Patinnen und Paten ermöglicht.
Michael Erhardt rundete den Infoanlass mit spannendem Wissen rund um das Leben der Fledermäuse ab. So beschrieb er auch die ersten Forschungen, welche mit den geheimnisvollen Nachtschwärmern durchgeführt wurden. Die Tatsache, dass sich die Fledermäuse bei dunkelster Nacht bei rasender Geschwindigkeit orientieren können, regte die Fantasie der Menschen an. So sagte man ihnen nach, dass sie den Teufel im Leibe haben.
Ein Naturforscher und Bischof versuchte daraufhin dieses Geheimnis zu lüften und fand heraus, dass die Tiere erst die Orientierung verlieren, wenn ihr Gehörsinn beeinträchtigt ist. Viele Jahre später fand man heraus, dass sich Fledermäuse mithilfe von Ultraschall-Echoortung orientieren. So können sie anhand des Echos ihrer Rufe ein «Bild» ihrer Umgebung erzeugen.
Auf den angekündeten Rundgang musste aufgrund der Witterung verzichtet werden. Doch die Hauptdarsteller des Events liessen sich ihren Auftritt nicht nehmen. Zum perfekten Zeitpunkt flogen mehrere Zwergfledermäuse in die Scheune und führten über den Köpfen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre bewundernswerten Flugkünste vor. Dank eines Detektors und einer App auf dem Smartphone konnte Michael Erhardt die Rufe der Fledermäuse für die Anwesenden hörbar machen.Alles in allem ein gelungener Anlass. Perfekt wurde er durch die grosszügige Gastfreundschaft der Pächter des Gutsbetriebs Sunnehof, Susanne und Markus Hofstetter, welche uns mit einem wunderbaren Apéro und ihrem köstlichen Wein verköstigten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.
Eine Woche später – am Samstagmorgen, 3. September 2022, traf sich ein hellwaches und neugieriges Grüppchen von zehn Erwachsenen und acht Kindern zur Expedition über die Seebodenalp. Während die Grossen mit angeregten Gesprächen über den Moränenweg pilgerten, streifte die Kinderschar in Begleitung von zwei Homeoffice erprobten Vätern mit verschiedenen Forschungszielen durch das Land. Die verschiedenen Rinderrassen, die dicksten Bäume, verschiedenfarbige Steine und je ein Blatt von allen Baumarten in der langen Allee sollen entdeckt werden.
An drei spektakulären Aussichtspunkten erzählten Bruno Ulrich, Verwaltungsrat der Korporation Ressort: Landschaft und Tourismus, Toni Arnold, Bannwart und Leiter Betrieb, und Erwin Leupi, Biologe, Naturforschende Gesellschaft Luzern, von den Besonderheiten der Seebodenalp.
Die Geschichte der Korporation von den Anfängen vor 800 Jahren bis zur heutigen Sömmerung von mehreren hundert Rindern nach modernstem Standard sowie die Bedeutung als regionales Naherholungsgebiet konnten live und unmittelbar nachvollzogen werden. Im Weiteren wurden die Auswirkungen der letzten Eiszeit vor 15 000 Jahren als Grundlage für die heutige Kultur- und Erholungslandschaft anschaulich und gestenreich kommentiert.
Doch gemäss einem jahrtausendealten Gesetz, dass in den Bergen das Wetter unvorstellbar rasch wechseln kann, stürmte kurz nach elf Uhr dichter Nebel daher und die Sonnenhüte erschlafften zu Regenmützen. Beim Eillauf zur Alpwirtschaft Ruodisegg trafen die fliehenden Wanderer mit der zufriedenen Forschergruppe zusammen, und alle wurden mit Trank und Küssnachter Käse und Brot, und – zum Glück vieler Kinder – mit Essiggurken versorgt.
Die eindrücklichste Entdeckung war die Vermessung der dicken Bäume. Der dickste (wohl der dickste im ganzen Bezirk Küssnacht) steht an einem besonderen Kraftort und hat knapp einen halben Meter über Boden einen Stammumfang von sage und schreibe 10.72 Metern. Wer sagts denn, die Seebodenalp ist etwas ganz Besonderes.
Als Nobelpreis überreichte die Korporation den Forscherfamilien einen Gutschein für eine gemeinsame Führung im Gletschergarten mit der brandneuen Felsenwelt. Schliesslich meinten alle einstimmig, den nächsten Spaziergang auf der Sonnenterrasse von Küssnacht bestimmt mit neuen und kennenden Blicken zu geniessen – ein toller Vormittag mit WildWuchs, nur eine Seilbahnlänge von der Haustüre entfernt.