Die Stimmberechtigten stimmen am 14. Juni über die Ausgabenbewilligung für die Planung des Um- und Neubaus sowie der Erweiterung des Pflegezentrums Seematt ab. Im Interview erläutern Geschäftsführerin Claudia Pfyl und Präsident Benno Neidhart die aktuellen Herausforderungen sowie die geplanten Lösungen.
Die Geschäftsführerin und der Präsident des Pflegezentrums Seematt (von links): Claudia Pfyl und Benno Neidhart.
Benno Neidhart: Die Häuser Mythen und Rigi wurden im Jahr 1969 in Betrieb genommen und zuletzt 1997 saniert. Der Erweiterungsbau des Hauses Pilatus entstand im Jahr 1983. Im Jahr 2012 wurde dieses Gebäude aufgestockt und um eine weitere Pflegeabteilung ergänzt. Bei all diesen Gebäulichkeiten machen sich seit einigen Jahren und stetig zunehmend ihr Alter und damit verbunden ein erheblicher Sanierungsbedarf bemerkbar. Hinzu kommt, dass künftig erstens zusätzliche Pflegebetten benötigt werden und zweitens mehr und mehr ein Bedarf an alternativen Wohnformen besteht. Beispiele dafür sind das Wohnen mit Dienstleistungen, Alterswohnungen, betreutes Wohnen und mehr.
Claudia Pfyl: Dabei gilt zu erwähnen, dass wir seit der Aufstockung 2012 zwar mehr Pflegebetten hatten, die Kapazitäten in der Küche und Gastronomie jedoch gleichblieben. Die Küche bedarf deshalb einer Gesamtsanierung. Jedoch gibt es auch weiteren Sanierungsbedarf: So muss die Aufzugsanlage ersetzt und um einen zweiten Lift ergänzt werden. Technische Installationen wie die Fensteranlagen und Wasserleitungen müssen ebenfalls saniert werden. In zahlreichen Zimmern fehlen Duschen und die Aufenthaltsräume für Bewohnerinnen und Bewohner sind zu klein. Ausserdem brauchen die Gebäude eine zeitgemässe Erdbebenertüchtigung und energetische Massnahmen.
Visualisierung des Pflegezentrums Seematt nach dem angedachten Neubau und der Sanierung.
Benno Neidhart: Eine sehr wichtige Rolle. Gebäude werden bekanntlich für längere Zeiträume geplant und erstellt. Es ist natürlich, dass Gebäude unterhalten und nach einer gewissen Zeit wegen eingetretener Mängel oder veränderter Bedürfnisse saniert werden. Das ist bei jedem Gebäudeeigentümer so. Für ein Pflegezentrum ist die Frage zentral, wie sich die Gesellschaft altersmässig verändert und damit auch Voraussetzungen und Bedürfnisse wandeln.
Claudia Pfyl: Heute ist klar absehbar, dass der Anteil älterer und sehr alter Menschen stark wachsen wird. Diese demografische Entwicklung für die nächsten Jahrzehnte darf als wissenschaftlich ausgewiesen und allgemein anerkannt gelten.
Benno Neidhart: Der Vorstand will das Pflegezentrum Seematt für die nächsten Generationen fit machen. Dazu gehört zunächst einmal, dass die Sanierung der in die Jahre gekommenen Infrastruktur an die Hand genommen wird. Weiter gilt es, den ab den kommenden Dreissigerjahren prognostizierten Bedarf an zusätzlichen Pflegebetten zu decken. Dies würde auch einen Beitrag zu einer Zielerreichung der Versorgungsstrategie Alter des Bezirks Küssnacht leisten. Schliesslich gehört dazu, dass die künftig noch zunehmende Nachfrage nach einem erweiterten Angebot an Alterswohnungen, betreutem Wohnen und Pflegewohnungen oder Pflegewohngruppen erfüllt werden kann. Für den Vorstand ist klar, dass das Vorhaben sowohl bei der Umsetzung als auch im späteren Betrieb wirtschaftlich tragbar sein muss.
Claudia Pfyl: Als Geschäftsführerin begrüsse ich besonders die Absicht des Vorstands, den Betrieb des Pflegezentrums Seematt während der Bauzeit durch die Etappierung aufrechtzuerhalten. So können die Bewohnenden dank Rochaden während der Bauarbeiten weiterhin in den Gebäulichkeiten bleiben. Gleichzeitig können die Mitarbeitenden weiterbeschäftigt und gehalten werden, was gerade im Pflegebereich äusserst wertvoll ist. Nicht zuletzt bleibt dank der Etappierung sowohl während als auch nach den Bauarbeiten die Qualität des Quartiers erhalten.
Benno Neidhart: Wir arbeiten seit 2021 am Projekt. Seit 2022 begleitet eine Baukommission mit Vertretungen des Bezirksrats, der Bezirksverwaltung sowie Fachpersonen aus dem Bau- und Pflegewesen die Arbeiten. Die Kommission hat bisher zahlreiche Sitzungen durchgeführt, Abklärungen vorgenommen und mehrere Varianten erarbeitet. Wir pflegten intensive Kontakte mit dem Kanton Schwyz. Dieser unterstützt unser Projekt sogar mit über fünf Millionen Franken, sofern der Bau zustande kommt. Unsere Machbarkeitsstudie wurde extern fachmännisch überprüft, sowohl im Bereich Alter als auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Tragbarkeit. Deshalb sind der Vorstand und der Bezirksrat überzeugt, dass Planung, Umsetzung und der spätere Betrieb zweckmässig und wirtschaftlich erfolgen werden.
Claudia Pfyl: Zwei zusätzliche Punkte aus der Machbarkeitsstudie möchte ich hervorheben: Erstens sind die verschiedenen Baukörper gut durchdacht und passen zu den Abläufen in einem Pflegezentrum. Zweitens zeigt die Studie eine zukunftsorientierte Flexibilität. Die Infrastruktur ist so gestaltet, dass sie sich an künftige Entwicklungen anpassen kann. Das gilt etwa bei einer sinkenden Auslastung der Pflegeplätze durch die demografische Entwicklung. Möglich wird dies durch modulare Bauweise und variable Raumaufteilungen. Das wirkt sich langfristig auch positiv auf die Kosten aus.
Wichtig ist ausserdem zu erwähnen, dass der provisorisch zugesicherte Beitrag des Kantons endgültig verfällt, wenn entweder die Ausgabenbewilligung für die Planung oder jene für den Bau an der Urne scheitern. Die sanierungsbedürftigen Massnahmen müssten auch in diesem Fall vorgenommen werden. Nur würde eine solche «Pflästerli-Politik» mit der alleinigen Sanierung das Grundproblem nicht lösen. Für die Bewohnenden, die Mitarbeitenden und das Pflegezentrum Seematt als Institution hätte dies negative Folgen, da kurz darauf erneute Massnahmen anstehen würden. Es wäre kein Schritt nach vorne, sondern zwei oder drei Schritte zurück.
Benno Neidhart: Bei einer Annahme würde umgehend die Planung losgehen. Aufgrund der bisherigen Vorarbeiten sind die Grundlagen dazu vorhanden.
Claudia Pfyl: Der nächste anzustrebende Meilenstein wäre dann die Ausarbeitung eines eingabefähigen Bauprojektes, damit den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die Ausgabenbewilligung für den Bau zur Abstimmung vorgelegt werden kann.
Benno Neidhart: Der Vorstand ist überzeugt, dass das Pflegezentrum Seematt mit diesem Vorhaben für die ältere und alte Bevölkerung auch in der Zukunft einen wichtigen Bestandteil der Altersversorgung im Bezirk Küssnacht bilden wird, weil es mit der Realisierung dieses Vorhabens für die Zukunft fit gemacht wird.
Claudia Pfyl: Dieser Aussage kann ich mich vorbehaltlos anschliessen. Jetzt geht es aber erst einmal um die Ausgabenbewilligung für die Planung des Projekts. Erst bei Annahme kann, zu einem späteren Zeitpunkt, die Ausgabenbewilligung für den Bau vorgelegt werden.