Wer eine von Demenz betroffene Person unterstützt und pflegt, hat eine grosse Hochachtung verdient.
Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz sind aber sehr komplex und belastend. Deshalb brauchen auch Angehörige Hilfe und Unterstützung bei ihrer täglichen, schwierigen Arbeit.
In der Region rund um die Rigi gibt es eine Angehörigengruppe Demenz, zu der auch der Bezirk Küssnacht gehört. Die Gruppe wird von Edith Rossier geleitet. Sie ist ausgebildete Pflegefachfrau HF mit Nachdiplom Angehörigen- und Freiwilligensupport und hat jahrelange Erfahrungen im Spitex- und Demenzbereich. Wir haben uns mit ihr unterhalten.
Edith Rossier: Aufgrund meiner jahrelangen Tätigkeit als Pflegefachfrau kam ich schon früh mit dem Krankheitsbild Demenz in Kontakt. Bei verschiedenen Weiterbildungen packte mich die Komplexität dieser Erkrankung. 2017 konnte ich eine erste Gesprächsgruppe im Kanton Luzern übernehmen. Als ich bei der Spitex Küssnacht startete, stellte ich fest, dass in der Region kein Angebot für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz besteht. So kam es 2018 zur Gründung der Geprächsgruppe Region Rigi.
Ich möchte, dass Angehörige sich untereinander vernetzen, denn sie sind alle mit der gleichen Krankheit Demenz konfrontiert, damit sie merken «ich bin nicht allein». Ich informiere über die Krankheit, vermittle Entlastungsmöglichkeiten, Hilfsmittel und finanzielle Ansprüche.
Bei Demenz spielt die Tagesform eine wichtige Rolle. Was gestern noch ging, geht heute nicht mehr und umgekehrt. Dies ist sehr belastend. Da Menschen mit Demenz den Tag nicht mehr selber strukturieren können, scheint eine Interessenlosigkeit zu bestehen. Häufig schlafen sie dann ein und/oder sind schwer motivierbar. Hier ist der Austausch innerhalb der Gruppe wichtig. Man gibt einander Tipps, was oder wie etwas funktionieren könnte.
Vor dem ersten Treffen findet ein Einführungsgepräch statt. Themen ergeben sich aus dem Erfahrungsaustausch. Bei Interesse ziehe ich Fachpersonen zu, welche beispielsweise über den Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung informieren. Es ist von Vorteil, regelmässig an den Treffen teilzunehmen. Lockerer wird die Stimmung in der Klausenzeit sowie an Ostern und Weihnachten.
Durch den Austausch entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Es gibt Angehörige, die sich auch ausserhalb der Gruppe treffen, auch noch nach dem Tod des Erkrankten.
Der Gruppenzusammenhalt und das Wissen, «ich bin nicht allein», sind sehr wichtig. Das einander bestärken und der Austausch von Tipps und Erfahrung helfen, den Umgang mit den Erkrankten zu bewältigen. Natürlich darf dabei auch der Humor
nicht fehlen.
Ich mache die Angehörigen auf ihre Rechte aufmerksam, sich rechtzeitig Entlastung zu holen, und zeige ihnen das Recht auf Hilflosenentschädigung auf.
In der Gruppe soll Platz sein, zu trauern, auch gemeinsam. Es darf auch Ärger oder Wut geäussert werden. Wir versuchen dann gemeinsam Lösungen zu finden, wie gehe ich mit diesen Gefühlen um. Die Schweigepflicht innerhalb der Gruppe ist deshalb sehr wichtig.
Engagierte Teilnehmende, Frauen, Männer, Töchter, Söhne. Mehr Entlastungsangebote in der Tagesbetreuung. Finanzielle Unterstützung wäre ebenfalls wünschenswert.
Oh, das ist schwierig, eine Situation herauszupicken. Es gibt so viele schöne, bereichernde Gespräche, aber auch traurige. Manchmal merkt man, dass eine Geprächsgruppe nicht das richtige Gefäss für den Austausch ist. Jede Person, die eine von Demenz betroffene Person unterstützt und pflegt, hat grosse Hochachtung verdient.
Bezirk Küssnacht, Region Arth-Goldau, Seegemeinden Vitznau, Weggis und Greppen
Die Teilnahme ist kostenlos.
Edith Rossier
Tel. 079 458 73 46
Mail
Die Anlaufstelle bietet eine umfassende Beratung und Unterstützung für Menschen mit Demenz sowie deren Angehörige. Das SRK Kanton Schwyz baut neue Angebote auf und entwickelt bestehende im ganzen Kanton weiter. Dabei zählt es auf die Zusammenarbeit mit bestehenden Akteuren im Bezirk Küssnacht und den anderen Regionen im Kanton.
Weitere Informationen im Internet oder per Telefon 041 811 75 74.