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Bezirksrat Toni Schuler im Interview: «Der Massivbau ist langfristig kostengünstiger»

Am 18. Mai entscheidet die Stimmbevölkerung über den Ersatzbau der Asylunterkunft auf dem Schulareal Luterbach. Der Bezirksrat und die Rechnungsprüfungskommission empfehlen ein Ja an der Urne. Bezirksrat Toni Schuler beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Ersatzbau.

Woher kommt das Anliegen, die Asylcontainer im Luterbach durch einen Massivbau zu ersetzen?

Die Containeranlage im Luterbach ist in die Jahre gekommen – einzelne Container sind bereits über 20 Jahre alt. Der geplante Massivbau soll die bestehende Anlage mittelfristig ersetzen, sodass es keine neuen Container mehr braucht. Gleichzeitig entsteht dadurch zusätzlicher Wohnraum, wodurch künftig weniger Wohnungen auf dem privaten Markt angemietet werden müssen.
Der Massivbau ist eine Investition mit Weitblick: Statistiken zeigen, dass es in den letzten 40 Jahren immer wieder Krisen gab, die zu steigenden Asylzahlen geführt haben – und auch in Zukunft ist nicht von einer krisenfreien Welt auszugehen.

Wie lange hat der Bezirk Küssnacht bereits die Asylcontainer?

Die ersten Container stehen seit 2003 auf dem Areal Luterbach. Dies geschah, nachdem der Bezirk eine Ersatzvornahme leisten musste, weil er die ihm zugewiesenen Asylsuchenden, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen nicht unterbringen konnte. Um rasch zu reagieren, hat der Bezirk damals Container angeschafft, die seither im Einsatz sind und im Laufe der Zeit stetig erweitert wurden.

Worin liegen die wichtigsten Probleme bei den Asylcontainern?

Die Container sind für eine längere Unterbringung, insbesondere für Familien, ungeeignet. Die Platzverhältnisse sind eng, Rückzugsmöglichkeiten fehlen, und die Wohnhygiene ist aufgrund von Lärmemissionen und grosser Hitze im Sommer ungenügend. Im Winter verursachen die schlecht isolierten Container zudem hohe Heizkosten. Darüber hinaus ist die Lebensdauer der bestehenden Container mit 10 bis 15 Jahren begrenzt, sodass sie entweder ersetzt oder mit grossem finanziellem Aufwand instandgesetzt werden müssten.

Bleiben die dem Bezirk Küssnacht zugewiesenen Asylsuchenden und Flüchtlinge dauerhaft in der Schweiz?

Seit der Neustrukturierung des Asylwesens teilt uns der Kanton vor allem Bleibefälle zu. Der Asylentscheid ist bereits gefallen, es geht also nicht mehr um eine vorübergehende Unterbringung bis zum Entscheid, sondern um eine dauerhafte Unterbringung verbunden mit einem Integrationsauftrag.

Die SVP ist als einzige Partei gegen die Vorlage. Sie argumentiert unter anderem damit, dass mit Ersatzbau mehr Asylsuchende und Geflüchtete nach Küssnacht kommen würden. Was hat es mit diesem Argument auf sich?

Dieses Argument ist nicht korrekt. Der Kanton weist den Gemeinden und Bezirken Asylsuchenden gemäss einem Verteilschlüssel proportional zur Bevölkerungszahl zu. Weder die Gemeinden noch die Asylsuchenden selbst können den Aufenthaltsort frei wählen. Wenn wir die zugewiesenen Personen nicht aufnehmen, drohen uns Ersatzabgaben von Gesetzes wegen in der Höhe von 55 bis 110 Franken pro Person und Tag.

Hat die Art des Baus einen Einfluss darauf, wie viele Personen dem Bezirk Küssnacht zugewiesen werden?

 Nein, die Art des Baus hat keinen Einfluss auf die Anzahl der Zuweisungen. Der Kanton weist die Personen nach einem festen Verteilschlüssel proportional zur Bevölkerungszahl den Gemeinden zu. Allerdings stellt das Handbuch für Asylsozialhilfe des Kantons Schwyz (Ausgabe 2022) klare Anforderungen an die Unterkünfte – insbesondere in Bezug auf Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten. Diese Anforderungen erfüllen die bestehenden Container im Luterbach nur unzureichend.

Warum sind die vorhandenen Kapazitäten im Container nicht ausgelastet?

Wir benötigen situativ immer wieder einzelne Zimmer, um Planungssicherheit und eine Reserve sicherzustellen, falls befristete Wohnverhältnisse wegfallen. Deshalb benötigen wir Leerstände. Bis Ende August müssen wir Unterkünfte für acht Personen (zwei Familien und eine Einzelperson) bereitstellen, bis Ende Oktober zusätzlich für eine fünfköpfige Familie. Bei Eigenbedarf, Notfällen oder Exmissionen müssen sofort Plätze verfügbar sein – notfalls auch in den Containern. Auch bei akuten Situationen wie innerfamiliären Konflikten ist grösstmögliche Flexibilität erforderlich.

Es wird vorgeworfen, dass Container für die Schulkinder ausreichen, aber für den Asylbereich ein Massivbau nötig ist. Wie reagieren Sie darauf?

Der provisorische Schulraum auf der Chaspersmatte ist für zehn Jahre angedacht, danach wird auch dieser durch einen Massivbau ersetzt. Grundsätzlich kann man auch in Containern wohnen, allerdings sind sie nur als temporäre Lösung gedacht. In der Asylunterkunft Luterbach leben aktuell Personen über mehrere Jahre – auch Familien. In der Schule geht es zudem um einen kurzen Tagesaufenthalt, während Asylsuchende dauerhaft wohnen und leben müssen. Containeranlagen sind auf Zeit ausgelegt, verursachen langfristig höhere Kosten und sollen nach dem Übergang wieder abgebaut werden – ein Massivbau bietet hier eine nachhaltige und wirtschaftlichere Lösung.

Warum wurde nicht auch eine Containererweiterung geplant?

Container genügen den Anforderungen nicht – eine Erweiterung der Containeranlage hätte das Problem nicht nachhaltig gelöst. Sie hätte die hohen Mietkosten verlängert und die Konkurrenz auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht reduziert. Zudem hat die Stimmbevölkerung im Juni 2023 Ja gesagt zur Planung eines Massivbaus und damit zu einer langfristigen und wirtschaftlichen Lösung.

Gelegentlich hört man von jährlichen Unterhaltskosten von 459'000 Franken.

Die 459'000 Franken umfassen alle laufenden Kosten wie Abschreibungen, Verzinsung und den baulichen Unterhalt. Der effektive jährliche Unterhalt liegt bei rund 108‘000 Franken, dies entspricht 1.5 Prozent der Bausumme. Zum Vergleich: Die Betriebskosten der Containerunterkunft betrugen letztes Jahr über 116‘000 Franken, hinzu kommen die Mietkosten von rund 101‘000 Franken. Darüber hinaus gilt zu beachten, dass die Container regelmässig erneuert werden müssen und eine maximale Belegung für 50 Personen bieten, während die Belegung im Ersatzbau mit 97 Personen deutlich höher liegt.

Was ist denn nun gesamthaft teurer: Die Asylcontainer oder der Ersatzbau?

Kurzfristig sind Container sicher günstiger in der Anschaffung. Längerfristig jedoch, unter Berücksichtigung von Lebensdauer und Unterhalt, ist der Massivbau deutlich kostengünstiger. Die aktuellen Container haben eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren, neuere Modelle etwa 20 bis 25 Jahre, während ein Massivbau mindestens 50 Jahre genutzt werden kann. Zudem bleibt beim Massivbau nach der Abschreibung nach 25 Jahren ein hoher Sachwert erhalten.

Die Mitte, FDP und SP sind für den Ersatzbau der Asylunterkunft. Was sind ihre Gründe für ein Ja am 18. Mai?

Die Parteien sehen im Ersatzbau eine Entlastung des Wohnungsmarkts, da der Bezirk künftig weniger in Konkurrenz zu privaten Mieterinnen und Mietern treten muss. Sie unterstützen die Investition als Lösung mit Weitblick, die langfristig kosteneffizient ist. Zudem erkennen sie die humanitäre Verantwortung: Gute Wohnbedingungen fördern das Zusammenleben und erleichtern die Integration.

Wo kann der Bezirk durch den Massivbau Geld einsparen?

Der Bezirk kann durch den Ersatzbau Wohnungen auf dem privaten Wohnungsmarkt freigeben und muss weniger teure Mietobjekte anmieten. Da der Bezirk ausser den Kollektivunterkünften kaum eigene Wohnungen besitzt und Mieten in Küssnacht langfristig steigen, ist der Ersatzbau auch finanziell eine vorteilhafte Lösung. Weiter bestehen heute viele befristete Wohnverhältnisse – rund ein Drittel der Unterkünfte. Dies zwingt die Verwaltung fortlaufend dazu, neuen Wohnraum zu akquirieren. Mit dem Ersatzbau entfällt dieser Aufwand zwar nicht vollständig, jedoch kann er deutlich reduziert und besser geplant werden.

Welche Vorteile bringt ein Massivbau gegenüber den bestehenden Asylcontainern?

Ein Massivbau bietet eine menschenwürdigere Wohnlösung mit besserer Wohnhygiene als Container. Zudem bietet er Flexibilität und Planungssicherheit. Er ermöglicht eine kompakte Unterbringung von 97 Personen, schafft überschaubare Wohneinheiten und ist besonders geeignet für Familien. Zusammengefasst ist der Ersatzbau die langfristig kostengünstigere Lösung für die Bevölkerung im Bezirk Küssnacht.

Weitere Informationen und Zahlen zur Asylsituation finden Sie unter kuessnacht.ch/asylunterkunft.