Drei spannende Porträts zum Tag der Freiwilligenarbeit.
Irma Slama kam vor 40 Jahren mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter als politischer Flüchtling aus der damaligen Tschechoslowakei nach Küssnacht, wo ihre Schwester seit 1969 lebte. Seit sieben Jahren wirkt Irma Slama bei den Schlüsselpersonen des Bezirks Küssnacht mit. Zudem engagiert sie sich für die Organisation «Tischlein deck dich», welche in der Schweiz Armut und Food Waste bekämpft, und verteilt Secondhand-Kleider an Bedürftige.
Irma Slama: Pepe Beerli, Mitinitiant der Schlüsselpersonen, war während längerer Zeit mein Nachbar in Küssnacht. Mit ihm und Leiterin Suheyla Bucher sprach ich regelmässig über die Schlüsselpersonen. Als ich vor sieben Jahren vor meiner Pensionierung stand, fragte mich Suheyla an, ob ich bei den Schlüsselpersonen mitmachen möchte.
Ich übersetze viel in vier Sprachen: Tschechisch, Ungarisch, Slowakisch und Russisch. Aber auch ohne Übersetzungsaufgaben betreue ich Menschen; Schweizer und Ausländer. Ich begleite sie zu Arztbesuchen und beim Einkaufen, zeige ihnen die Brockenstube, die Ludothek, die Bibliothek und das Heimatmuseum, gehe mit ihnen wandern und erkläre ihnen die verschiedenen Brauchtumsanlässe im Bezirk.
Ich war vor 40 Jahren selbst Flüchtling und weiss, wie schwierig es ist, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Das Helfen tut mir persönlich sehr gut. Die Ar-beit als Brückenbauerin bedeutet mir viel. Es ist ein Geben und Nehmen, denn auch ich bekomme sehr viel zurück.
In Immensee gibt es einen Standort von «Tischlein deck dich». Diese Organisation rettet Lebensmittel (Kampf gegen Food Waste) und verteilt sie an armutsbetroffene Menschen in der Region. Jeden Mittwochnachmittag können bedürftige Menschen, die vom Sozialamt einen entsprechenden Ausweis haben, beim Missionshaus Lebensmittel abholen. Wir begannen mit 23 Personen und sind inzwischen bei 50 Menschen angelangt, die das Angebot regelmässig in Anspruch nehmen können. Auch in diesem Bereich helfe ich sehr gerne mit, weil ich sehe, wie gross das Bedürfnis und die Wertschätzung für dieses Angebot sind.
Ja, dieser Kleiderschrank im unteren Hof des Missionshauses ist eines meiner Herzensprojekte. Ich erhalte schon seit vielen Jahren von Freunden und Bekannten gebrauchte Kleider, welche ich an bedürftige Personen gratis abgebe. Zu diesem Zweck habe ich den Kleiderschrank eingerichtet, der rund um die Uhr geöffnet ist. Mittwochnachmittags, wenn die Leute bei «Tischlein deck dich» anstehen, erweitere ich das Angebot noch zusätzlich.

Die Nachbarschaftshilfe bietet Einwohnerinnen und Einwohnern des Bezirks Küssnacht kleinere und unkomplizierte Unterstützungen im Alltag an, wie beispielsweise die Begleitung bei Spaziergängen und Ausflügen oder die Erledigung von Einkäufen. Silvia Steffen aus Küssnacht (Bild oben) engagiert sich seit acht Jahren in der Nachbarschaftshilfe des Bezirks Küssnacht.
Silvia Steffen: Ich sah ein Inserat des Bezirks Küssnacht in der Lokalzeitung Freier Schweizer und dachte, dass ein Einsatz für die Nachbarschaftshilfe genau das Richtige für mich wäre.
Ich habe schon immer gerne Kontakt zu Menschen gepflegt – sei es während meiner 20 Jahre in der Leitung des Bahnhofbuffets in Goldau oder später bei verschiedenen Tätigkeiten, auch in Küssnacht selbst. Ich bin jetzt 85 Jahre alt und möchte nicht einfach zuhause sitzen und nichts tun. Ich brauche Ereignisse und Erlebnisse im Alltag, auf die ich mich freuen kann. Gleichzeitig finde ich es schön, wenn ich anderen Menschen helfen kann. Die Freiwilligenarbeit im Rahmen der Nachbarschaftshilfe ist eine sehr sinnvolle und bereichernde Tätigkeit. Deshalb bin ich nun schon seit acht Jahren dabei.
Bisher habe ich fünf Frauen betreut – einige älter, andere jünger als ich. Oft fühlen sich die Frauen einsam oder scheuen sich, selbst um Hilfe zu bitten. In vielen Fällen sind es die Töchter der Frauen, die den Kontakt herstellen. Dann treffen wir uns, trinken gemeinsam Kaffee, gehen einkaufen, unternehmen kleinere Ausflüge oder erledigen Bank- und Postgeschäfte. Mit einer Frau telefoniere ich abends, um mit ihr über ihren Tag zu sprechen. Diese Unterstützung wird sehr geschätzt, und es tut mir gut zu erleben, wie viel Freude ich damit bereiten kann. Es ist ein echtes Geben und Nehmen. Und wenn ich selbst einmal Hilfe brauche, weiss ich, dass ich beim Bezirk Küssnacht und seiner Nachbarschaftshilfe gut aufgehoben bin.
Solange ich mich fit fühle und mit meinem Auto mobil bin, mache ich gerne weiter. Ich tue dies mit sehr grosser Freude.
Weitere Infos: www.kuessnacht.ch/nachbarschaftshilfe

Frank Bach (Bild oben) ist in Zug aufgewachsen und lebt seit sieben Jahren in Immensee. Früher führte er eine Informatikfirma und ist inzwischen frühpensioniert. Jetzt hat er Zeit für andere Projekte. Unter anderem begleitet und betreut der 62-Jährige seit drei Jahren Flüchtlinge.
Frank Bach: Ich wohne in der Siedlung Bethlehem und kam dort vor drei Jahren mit einem Mitglied der Missionsgesellschaft in Kontakt. Er fragte mich, ob ich einer Frau aus Eritrea beim Deutschlernen und bei ihren Hausaufgaben helfen könnte. So habe ich mit der Begleitung von Flüchtlingen begonnen. Mit der Zeit durfte ich auch einige ukrainische Flüchtlinge im Auftrag des Bezirks Küssnacht begleiten.
Einerseits habe ich als Frühpensionierter Zeit. Anderseits finde ich es wichtig, dass Flüchtlingen beim Deutschlernen geholfen wird. Die Frau aus Eritrea war bereits in einem Deutschkurs, benötigte jedoch Unterstützung bei ihren Hausaufgaben. Wenn Flüchtlinge hier sind und Hilfe brauchen, kann ich mit wenig Aufwand viel erreichen. Ich finde es wichtig, den Bezirk Küssnacht zu entlasten und den Flüchtlingen zu helfen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden. Hilfe zur Selbsthilfe ist mein Motto.
Aktuell helfe ich einem Mädchen aus Eritrea noch besser lesen zu lernen. Wir konnten so eine Repetition der 2. Primarklasse verhindern. Sie ist überglücklich, mit ihren Freundinnen die 3. Klasse zu besuchen. Weiter bin ich in Kontakt mit einem ukrainischen Paar und unterstütze es bei verschiedenen Anliegen. Die Frau verlor ihren Job und erhielt ihren Lohn nicht. Mit Hilfe eines befreundeten Juristen konnte ich den ausstehenden Lohn eintreiben. Zudem habe ich die Frau bei der Jobsuche unterstützt. Hin und wieder helfe ich auch bei medizinischen Fragen, etwa bei der Wahl des richtigen Arztes, oder begleite die Flüchtlinge aus der Ukraine beim Eröffnen eines Bankkontos. Auch alltägliche Dinge wie das Einkaufen oder die Frage, was der Unterschied zwischen Aldi und Coop ist, bespreche ich mit ihnen. Alle Ukrainer, die ich begleite, sind oder waren erwerbstätig und sind finanziell unabhängig.
Ich habe einiges über andere Kulturen gelernt und auch erfahren, wie schwierig es für Flüchtlinge ist, Deutsch zu lernen und sich in einem fremden Land zurechtzufinden. Dinge, die für uns einfach erscheinen, stellen für sie eine grosse Herausforderung dar. Besonders beeindruckt hat mich ein ukrainisches Paar, das alles tut, um in der Schweiz bleiben zu können. Das Paar hat einen Job, schätzt Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit und ist in vielen Dingen schweizerischer als manche Schwei-zer.
Ein besonderes Erlebnis hatte ich mit einem ukrainischen Flüchtling, der mit seinem Fahrausweis nach zwei Jahren in der Schweiz eine Kontrollfahrt machen musste. Ich gab ihm vorher einige Fahrstunden. Dabei fiel mir auf, dass er immer weit links fuhr. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er: «In der Ukraine muss man immer Abstand zum rechten Strassenrand halten, weil dort der Abfall liegt.»