Die Anforderungen an eine moderne Feuerwehr ändern sich. Auch jene an die Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht.
Die klassische Brandbekämpfung wird durch neue Herausforderungen ergänzt, welche mit Prävention, steter Weiterbildung und gutem Material angepackt werden. Am Gespräch über die zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht nahmen Bezirksammann Oliver Ebert, Kommandant Martin Arnet und Stefan Meier, Verantwortlicher Administration, Planung und Logistik, teil.
«Ich selber war nie in der Feuerwehr und hatte auch keine Kollegen, welche sich in der Feuerwehr engagierten. Als ich als Bezirksrat mit der Feuerwehr in Kontakt kam, war dies absolutes Neuland für mich», betonte Oliver Ebert. Der Bezirksammann zeigte sich beeindruckt vom Einsatz und vom Engagement der Feuerwehrleute des Bezirks Küssnacht: «Es handelt sich um eine eingeschworene Truppe, welche ihre Aufgaben sehr ernst nimmt. Innerhalb des Milizsystems wird auf allen Stufen professionell gearbeitet. Neue Herausforderungen werden gut ausgebildet und gut ausgerüstet angepackt. Im Kinder- und Jugendbereich – mit dem traditionellen Kindergartentag und der Jugendfeuerwehr, einem Erfolgsmodell – wird tolle Präventionsarbeit geleistet.»
«Auch im Bezirk Küssnacht gibt es heute viele moderne Brandmeldeanlagen, Brandschutzmauern und top erstellte Gebäude. Aus diesem Grund kommt es immer weniger zu Bränden», hielt Bezirksammann Oliver Ebert fest. Dies bedeutet aber nicht, dass der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht die Arbeit ausgehen würde, im Gegenteil: «Die Aufgaben der Feuerwehr verschieben sich in Zukunft, weg von der klassischen Brandbekämpfung hin zu neuen Herausforderungen.» Kommandant Martin Arnet und Stefan Meier von der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht stellen nachfolgend Aspekte vor, welche in Zukunft vermehrt auftreten könnten.
Mal hat es zuviel, mal zuwenig: Die Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht hat sich immer wieder mit dem Wasser zu beschäftigen. Sie hat aus dem letzten Hochwasser die Lehren gezogen und in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Küssnacht materiell aufgerüstet. Die alten, sperrigen Hochwasserschutzeinheiten wurden durch neue, bessere, leichtere und mobilere ersetzt. «Wir sind jetzt wesentlich besser aufgestellt als vorher und können das Material viel schneller verschieben und aufteilen», hielt Martin Arnet fest. In diesem Zusammenhang muss festgehalten werden, dass die Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer für den Hochwasserschutz ihrer Gebäude selber verantwortlich sind und frühzeitig Massnahmen ergreifen müssen. Die Feuerwehr ist in diesem Bereich eine Notfall- und keine Präventivorganisation. Selbstverständlich hilft die Feuerwehr den Betroffenen im Ereignisfall. Sie muss aber immer sorgfältig mit den vorhandenen Ressourcen umgehen. Weiter ist zu erwähnen, dass die Feuerwehr für den Hochwasserschutz von öffentlichen Räumen verantwortlich ist.
Neben dem Hochwasser werden in Zukunft auch Dürreperioden zunehmen. In diesem Bereich ist der Bezirk Küssnacht ebenfalls gefordert. «Wir führen als eine der wenigen Feuerwehren auch Wassertransporte durch», führte Stefan Meier aus. «Zu diesem Zweck haben wir einen Wassertransportabrollbehälter angeschafft, welcher analog einer Mulde auf einem Fahrzeug befestigt und transportiert werden kann.» Dank des neuen Behälters mit integriertem Wassertank können abgelegene Objekte bei Trockenheit oder Dürre mit Wasser versorgt werden. «Dies ist eine wichtige Dienstleistung der Feuerwehr beispielsweise für Bauernhöfe, welche von der Bevölkerung kaum wahrgenommen wird.»
Die Polizeimeldungen aus Schwyz und Zug zeigen es: Die Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht wird immer wieder zu Autounfällen aufgeboten, insbesondere auf der Autobahn A4. Diese Ereignisse sind in der Regel höchst anspruchsvoll und erfordern ein spezielles Know-how der im Einsatz stehenden Feuerwehrleute. Und auch die immer wieder auftretenden technischen Pannen bei Elektrofahrzeugen stellen eine grosse Herausforderung dar.
In der Vergangenheit traten im Bezirk Küssnacht keine grösseren Waldbrände auf. Martin Arnet ist aber überzeugt, dass sich dies in Zukunft angesichts der kommenden Hitze- und Dürreperioden ändern wird. Die Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht stellt sich aber auch dieser Herausforderung. Feuerwehrleute aus dem Bezirk absolvieren Ausbildungskurse in Kantonen wie Wallis und Tessin, welche von grösseren Waldbränden besonders stark getroffen werden.
Wie das Beispiel der Seebodenstrasse in Küssnacht zeigt, hat die Feuerwehr auch im Zusammenhang mit Strassensanierungen knifflige Aufgaben zu lösen. Während des Deckbelagseinbaus wird die Strasse vom 19. Juni bis am 7. Juli 2023 werktags für den Verkehr gesperrt. Dies betrifft auch die Notfallorganisationen, welche potenziellen Einsätze während dieser Zeitspanne gut vorbereiten und planen müssen. So müssen beispielsweise Absprachen mit dem Rettungsdienst getroffen werden, um Personenrettungen zu organisieren. Um bei einem Brandfall im Bereich der Seebodenstrasse von oben eingreifen zu können, stationiert die Feuerwehr während des Deckbelagseinbaus ein Fahrzeug mit einem 6000-Liter-Wassertank auf der Seebodenalp. Auch hier gilt: Eine gute Planung ist wichtig und zielführend.
Weitere wertvolle Dienstleistungen der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht, welche von der Bevölkerung kaum wahrgenommen werden, sind Mitwirkungen und Beratungen bei anspruchsvollen Neubauten. Stefan Meier erwähnte als aktuelles Beispiel das Projekt Erneuerung und Ausbau der Sportanlage Luterbach mit dem neuen Kunstrasenfeld und der Einstellhalle, welche gleichzeitig auch als Retentionsbecken dient. Wie bringt man die Fahrzeuge bei einem Hochwasser aus der Einstellhalle? Mit diesen und anderen Fragen hatten sich die Spezialisten der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht zu beschäftigen.
Martin Arnet und Stefan Meier hielten abschliessend fest, dass sich die Feuerwehrleute des Bezirks Küssnacht sehr gerne in den Dienst der Bevölkerung stellen. Dass ihr Engagement äusserst geschätzt wird, zeigen die vielen positiven Feedbacks und herzigen Dankeskarten, welche regelmässig im Kreuzmatt eintreffen.
Der Löschzug Merlischachen wird aktuell durch Oblt Mathias Niederberger geführt. Er äusserte gegenüber dem Kommando der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht den Wunsch, kürzerzutreten und die Leitung abzugeben. Da sich kein Nachfolger finden liess, musste sich Kommandant Major Martin Arnet mit seinem Team Gedanken machen, wie es mit dem Löschzug Merlischachen weitergehen soll. «Nach genauer Analyse der Situation zeigte sich für uns, dass der Zusammenschluss des Löschzugs Merlischachen mit einem Löschzug von Küssnacht für beide Seiten die beste Lösung darstellt. Die Offiziere Mathias Niederberger und Martin Seeholzer unterstützen diese einvernehmliche Lösung und erklären sich bereit, in Küssnacht weiterhin Feuerwehrdienst zu leisten, ohne Funktion sowie ohne Führungs- und Administrationsaufgaben», betont Martin Arnet.
Der Zusammenschluss der Löschzüge soll per Ende 2023 vorgenommen werden. Das Material und die persönlichen Ausrüstungen der Merlischacher Feuerwehrleute werden aber bereits im Sommer nach Küssnacht gezügelt. «So können sich die Merlischacher in Küssnacht gut akklimatisieren und haben genügend Zeit, um zu überlegen, ob diese Lösung für sie stimmt», so Martin Arnet. «Die beiden Löschzüge Merlischachen und Immensee gehören schon seit längerer Zeit zur Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht. Ende Jahr erfolgt jetzt lediglich eine örtliche Verschiebung des Löschzugs Merlischachen. So bleibt beispielsweise der Feuerwehrverein Merlischachen weiterhin erhalten.»
Die Sicherheit und der Schutz von Merlischachen sind selbstverständlich weiterhin gewährleistet. Für den Schutz der Bevölkerung ist rund um die Uhr das ErstEinsatzElement EEE der Stützpunkt Feuerwehr Küssnacht zuständig. Es besteht aus rund 40 ausgewählten Feuerwehrleuten aus den Löschzügen Küssnacht, Immensee und Merlischachen, welche mittels Pager jederzeit durch die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Schwyz aufgeboten werden können.
Für den Bezirksrat mache die Integration des Löschzugs Merlischachen in Küssnacht absolut Sinn, betont Bezirksammann Oliver Ebert. Gleichzeitig macht er auf die engen Platzverhältnisse im Mehrzweckgebäude Kreuzmatt aufmerksam. Da der Rettungsdienst Küssnacht im Jahr 2024 Platz für einen zweiten Rettungswagen benötigt, wird die Ölwehr der Stützpunkt Feuerwehr in diesem Jahr von Küssnacht ins Feuerwehrlokal Merlischachen verlegt. «Dies verschafft uns ein wenig Luft», so Oliver Ebert.