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04.04.2020 00:40:15


Freiwilligenarbeit im Asyl- und Flüchtlingsbereich ist ein wichtiger Grundpfeiler für eine erfolgreiche Integration

Im Bezirk Küssnacht engagieren sich Vereine und rund 30 engagierte Freiwillige für Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge im Bezirk Küssnacht. Für diese Personen ist der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung elementar und für eine erfolgreiche Integration in der Schweiz unumgänglich.

Die Freiwilligenarbeit ist ein wichtiger Baustein der sozialen Integration von Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlingen. Dank den Kontakten mit Schweizerinnen und Schweizern werden die deutschen Sprachkenntnisse verbessert, wichtige Einblicke in die einheimische Kultur vermittelt und das gegenseitige Verständnis gefördert.

Interview mit einer freiwilligen Helferin im Asyl- und Flüchtlingsbereich

Sandra Ertl aus Küssnacht ist ausgebildete Psychiatrieschwester, Betriebsleiterin in einem Wohnheim für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung und Mitglied der Fürsorgebehörde des Bezirks. Sie engagiert sich im Rahmen der Freiwilligenarbeit, indem sie eine vierköpfige Familie aus Eritrea betreut, welche in Küssnacht wohnt.

Wie sind Sie zu dieser Betreuungsaufgabe gekommen?
Sandra Ertl: Vor rund drei Jahren meldete ich mich bei der Abteilung Soziales und Gesellschaft des Bezirks und erklärte mich bereit, jemanden zu begleiten. Nach einigen Wochen wurde ich angefragt, ob ich die Familie Kifle betreuen möchte. Ich sagte zu und lernte die Familie aus Eritrea kennen, welche damals mit einer anderen Familie in einer Sozialwohnung wohnte. Die Eltern besuchten zwar den Deutschunterricht, konnten aber zum Beginn meiner Betreuungszeit praktisch kein Deutsch. Es ging deshalb auch relativ lange, bis ich das Vertrauen der Familie gewinnen und wir uns in deutscher Sprache unterhalten konnte.

Könnten Sie uns bitte die Familie vorstellen.
Die Eltern, Mutter Abrehet Ukbay und Vater Solomon Kifle, sind heute um die 30. Der ältere Sohn, Mikias, ist sieben Jahre alt und besucht die erste Klasse. Der jüngere Sohn, Temesgen, ist vier Jahre alt und in einer Spielgruppe. Es sind sehr höfliche Menschen und gläubige Christen (Orthodoxe), welche aus einer ganz anderen Kultur kommen. Die Eltern waren beide im Militär und haben im Sinne einer Überlebensstrategie ihr Land verlassen. Sie besitzen den B-Flüchtlingsstatus und leben zurzeit von der Sozialhilfe. Dies möchten sie aber künftig nicht mehr und investieren deshalb in ihre Ausbildung. Beide haben in der Schweiz einen Kurs in der Gastronomie absolviert. Die Mutter konnte im «Seehof» in Küssnacht ein Praktikum machen. Der Vater möchte sich zum Logistiker ausbilden lassen und in diesem Bereich auch arbeiten. Der ältere Sohn kennt schon ganz viele schweizerdeutsche Wörter. Er ist in der Schule gut integriert und verfügt über eine recht hohe Sozialkompetenz. Der jüngere Sohn besucht seit einem halben Jahr eine Spielgruppe. Er beginnt, sich für die deutsche Sprache zu interessieren und diese auch einzusetzen.

Wie muss man sich Ihre Betreuung der Familie Kifle vorstellen?
Zu Beginn besuchte ich die Familie im Durchschnitt zwei Mal pro Woche. Es ging dabei um ganz einfache Sachen wie einen Brief auf die Post bringen, ein Billett für den Öffentlichen Verkehr kaufen oder die Bedienung einer Abwaschmaschine. Ich zeigte der Familie aber auch, wie man mit unseren Produkten kocht, wie man am Tisch isst, dass man Abfall trennt und Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sehr wichtig sind. Zudem half ich der Familie, eine Wohnung zu finden. Anfänglich unterhielten wir uns mit Händen und Füssen, inzwischen geht dies schon recht gut in deutscher Sprache.

Und wie sieht die Betreuung heute aus?
Heute besuche ich die Familie im Durchschnitt einmal pro Woche. Wenn ich komme, erwartet mich immer ein Berg von Papieren, welche es auszufüllen und zu bearbeiten gilt. Wir haben aber auch Zeit, über die Schule und Erziehungsfragen zu sprechen. Wir spielen gerne zusammen, vom Leiterlispiel bis zum Jassen und Würfeln, was die Eltern und die Kinder natürlich nicht kannten. Wir gehen hin und wieder gemeinsam einkaufen oder besuchen den Tierpark in Goldau.

Weshalb engagieren Sie sich überhaupt in der Freiwilligenarbeit?
Von meiner Ausbildung und meiner Arbeit her habe ich Menschen einfach gerne, insbesondere Kinder. Mich interessieren fremde Kulturen. Ich bin neugierig und freue mich, wenn ich von anderen etwas lernen kann. Dieses freiwillige Engagement ist eine Bereicherung für mein Leben. Ich kann eine Familie, welche hier nur wenige Freunde und praktisch keine Ansprechpersonen hat, unterstützen und damit einen wichtigen Beitrag für die Integration leisten. Aus der ursprünglichen Betreuungsaufgabe ist eine Freundschaft zwischen zwei Familien aus unterschiedlichen Kulturen entstanden.

Weshalb sollen sich weitere Personen aus dem Bezirk für die Freiwilligenarbeit im Asyl- und Flüchtlingsbereich engagieren?
Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung kann ich diese Art der Freiwilligenarbeit nur empfehlen. Sie macht unseren Horizont weiter. Es ist eine grosse Befriedigung, etwas für andere Menschen zu tun. Es kommt auch sehr vieles wieder zurück.

 
Der Bezirk Küssnacht sucht Freiwillige

Können auch Sie sich vorstellen, Asylsuchende oder Flüchtlinge bei ihrer Integration im Bezirk zu begleiten?

Dann melden Sie sich bei der
Abteilung Soziales und Gesellschaft
Frau Jeanette Stalder Muff
Seemattweg 6
6403 Küssnacht am Rigi
Telefon 041 854 02 51
oder via E-Mail


Sandra Ertl aus Küssnacht betreut eine Familie aus Eritrea, welche aus Mutter Abrehet Ukbay, Vater Solomon Kifle und den beiden Söhnen Mikias Solomon (7 Jahre) und Temesgen Solomon (4 Jahre) besteht.
Sandra Ertl aus Küssnacht betreut eine Familie aus Eritrea, welche aus Mutter Abrehet Ukbay, Vater Solomon Kifle und den beiden Söhnen Mikias Solomon (7 Jahre) und Temesgen Solomon (4 Jahre) besteht.

Datum der Neuigkeit 13. Feb. 2020
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